im Tonkünstlerverband Würzburg e.V.
und in Verbindung mit der
Hochschule für Musik Würzburg

Leitung:
Prof. Dr. Christoph Wünsch

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Montag, 6. Mai 2019

19:30 Uhr

Hochschule für Musik, Gebäude Bibrastraße, Theater

 

"Kafka hören"

 

Elias Wolf, Yaewon Yun, Franziska Bader – Gesang
Michiro Suead – Violine
Jinyoung Hong und Myeongjo Son – Schlagzeug
Adam Nümm – Rezitation
Alexander Fleischer – Klavier und Einstudierung
Konzeption und Moderation: Prof. Dr. Klaus Hinrich Stahmer

Programm

    Texte von Franz Kafka in Kompositionen von Petr Eben, Tzvi Avni, Ruth Zechlin, György Kurtág, Peter Androsch, Jan Müller-Wieland, Max Brod, Theodor W. Adorno und Ernst Krenek

    Der Prager Jude Franz Kafka hat sprachliche Kunstwerke hinterlassen, die in seiner sprachlichen Kraft Weltruhm erlangt haben. Bis heute vermitteln seine Texte tiefe Einblicke in die menschliche Seele. Wäre es nach dem Willen Kafkas gegangen, wären seine Werke bei seinem Tod vernichtet worden. Doch hat sich Kafkas Freund Max Brod in seiner Funktion als Nachlassverwalter über das Testament hinweg gesetzt und für den Erhalt und die Publikation sämtlicher Romane, Fragmente und Aufzeichnungen gesorgt. Und nicht nur das: Als Komponist war Brod der erste, der 1911 einen Kafka-Text vertonte und auch seinen Freund gerne an die Musik herangeführt hätte. Doch sagte dieser von sich selbst: „Ich habe gar kein musikalisches Gedächtnis“ und bezeichnete sich selbst als unmusikalisch. „Die gehörte Musik zieht eine Mauer um mich.“
    Umso bemerkenswerter ist die sprachmusikalische Qualität seiner Texte. In ihrer Klanglichkeit und Rhythmik hat sie immer wieder Komponisten zur Vertonung angeregt. Noch viel stärker war indessen die bildliche Kraft seiner oft recht kurz gefassten Aufzeichnungen, die für Komponisten zum Angelpunkt ihrer zeitgeschichtlich bedeutsamen Stücke wurde. 1937/38 schuf Ernst Krenek im Exil einen Liederzyklus nach Kafka-Texten, dessen politische Botschaft nicht weniger deutlich ist als das Kafka-Lied von Theodor W. Adorno aus dem Jahr 1942. Kurze Notate von Kafka hat der Budapester Jude György Kurtàg gesammelt, in Töne gesetzt und als „Kafka-Fragmente“ veröffentlicht (1980er Jahre). In zahlreichen Interpretationen auf dem CD-Markt vertreten, gehört dieses Werk zu den Meilensteinen der zeitgenössischen Musik.
    In der Nachkriegszeit waren Kafkas Werke im Zuge der Aufarbeitung der Nazi-Zeit Katalysatoren für die Entstehung von Opern wie „Der Prozess“ (Gottfried von Einem 1953), „Das Schloss“ (Rainer Kunad 1961) und „Amerika“ (Roman Haubenstock-Ramati 1964). Bis auf den heutigen Tag arbeiten sich Komponisten wie Beat Furrer, Aribert Reimann und Philip Glass an Kafkas Texten ab, und die Liste der Kafka-Vertonungen ist ebenso lang wie vielgestaltig. Eine repräsentative Auswahl hiervon präsentiert die Lied!Klasse der HfM Würzburg unter der künstlerischen Leitung von Alexander Fleischer und in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Klaus Hinrich Stahmer, der auch für das in der Freien Akademie der Künste in Hamburg durchgeführte Projekt „Kafka Hören“ verantwortlich zeichnet. Im Rahmen des Konzerts werden dem Hörer Kafkas Texte nicht nur in ihrer musikalischen Gestalt nahegebracht: Erst im Vergleich mit der gesprochenen Rezitation erschließen sie ihre weiten Dimensionen.

 

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