im Tonkünstlerverband Würzburg e.V.
und in Verbindung mit der
Hochschule für Musik Würzburg

Leitung:
Prof. Dr. Christoph Wünsch

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Montag, 6. Dezember 2010, 20:00 Uhr
Gebäude an der Residenz, Kammermusiksaal
Hommage à Robert Schumann

Max Link - Klarinette, Julian Habryka - Viola, Justus Krämer - Klavier

Antje Messerschmidt (a. G.) - Violine, Hermann Keller (a. G.) - Klavier

Seung Eun Bae - Klavier

Hermann Keller, Istvan Koppányi, Christoph Wünsch - präpariertes Klavier

Duo Najad: Susanne Pfitschler-Schmitt - Sopran, Jürgen Schmitt - Klavier

Programm

György Kurtág  Hommage à R. Sch., op. 15d (1990)  für Klarinette, Viola und Klavier

Hermann Keller Schumann-Metamorphosen   für Violine und Klavier

Ulrich Schultheiß  Nachklang für Klavier

Hans-Karsten Raecke Raster 6a: Erinnerung an ....Bach, Raster 6b: Erinnerung an ....Schumann
Raster 6c: Erinnerung an ....Cage, Raster 7: In Erinnerung verbinde ich Bach mit Schumann und Cage
für 1-3 Spieler an zwei präparierten Flügeln

Jürgen Schmitt Mignon, Neue Romanzen und Gesänge nach Robert Schumann und J. W. v. Goethe
für Sopran und Klavier

György Kurtág (*1926), Hommage à R.Sch. op.15d (1990) für Klarinette, Viola und Klavier

Schumann hatte für sich eine ganze Palette Masken entworfen, mittels derer er seine Ansichten in der "Neuen Zeitschrift für Musik" lebendig zur Sprache brachte. So kreierte er die "Davidsbündler": allen voran den empfindsamen, Jean Paul verwandten Eusebius, ihm gegenüber der stürmische Florestan, dem Schumann Züge Beethovens und des von E.T.A. Hoffmann erfundenen Kapellmeisters Kreisler verlieh (dem er selbst mit seiner Kreisleriana op. 16 ein musikalisches Denkmal gesetzt hatte), und der besonnene, die Rechte der Tradition einklagende Meister Rara.

In seiner 1990 entstandenen Hommage à R. Sch. op.15d für Klarinette, Viola und Klavier hat der 1926 in Lugos (im heutigen Rumänien) geborene ungarische Komponist György Kurtág Hoffmanns Kapellmeister und Schumanns Gestalten zum Gegenstand von sechs, zumeist nur wenige Takte umfassenden Charakterstücken gemacht. (Ulrich Lenz)

György Kurtág siedelte 1946 nach Budapest über und studierte an der Franz-Liszt-Akademie Komposition bei S£ndor Veress und Ferenc Farkas, Klavier bei P£l Kadosa und Kammermusik bei Le￳ Weiner. Von 1957 bis 1958 hielt er sich ein Jahr in Paris auf, wo er Kompositionskurse bei Darius Milhaud und Olivier Messiaen besuchte. Für seine kompositorische Entwicklung wurde aber während dieses Studienjahres die Begegnung mit der Psychologin Marianne Stein von entscheidender Bedeutung. Als Gast des DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) lebte er 1971 ein Jahr in Berlin. 1973 erhielt er den Kossuth-Preis des Staates Ungarn. 1993 lud ihn das Wissenschaftskolleg zu Berlin für zwei Jahre als “Composer in residence” der Berliner Philharmoniker ein. Es folgten ein- und zweijährige Aufenthalte in Wien (1995), Den Haag (1996) und Paris (1999). Im Jahr 1998 erhielt er den renommierten Preis der Ernst von Siemens Musikstiftung, 2001 den Friedrich-Hölderlin-Preis der Universitätsstadt Tübingen und 2009 den Goldenen Löwen der Biennale von Venedigfür sein Lebenswerk im Rahmen des 53. Internationalen Festivals für zeitgenössische Musik.

György Kurtág gilt heute neben György Ligeti als der bedeutendste ungarische Komponist nach 1945. Während Ligeti aber Ungarn nach dem Aufstand 1956 verließ und im Westen schnell zu einem gefeierten Komponisten wurde, blieb Kurtág zunächst in Budapest und unterrichtete 1967 bis 1986 an der dortigen Franz-Liszt-Musikakademie Klavier und Kammermusik. So blieb er lange als Komponist nur ein “Geheimtip” unter Eingeweihten. Erst Mitte der 70er Jahre begann seine Musik umfassender in Westeuropa bekannt zu werden. Heute werden seine Werke weltweit aufgeführt und liegen in diversen CD-Aufnahmen vor.

Die Musik Kurtágs ist geprägt von einer ähnlichen Verdichtung musikalischer Texturen, wie es für die Musik von Anton Webern kennzeichnend ist. Aber anders als bei Webern ist Kurtágs Sprache dabei spielerischer und assoziativer. Dennoch ist sie in ihrer oftmals radikalen Beschränkung und Konzentration durchdrungen von Erkenntnis und Vergeistigung, die bei Kurtág mit einem hohen Grad an Selbstzweifeln und einer überaus selbstkritischen Haltung einher gehen. Bemerkenswert sind diverse, mehr oder weniger versteckte und verschlüsselte Verweise in seinen Werken, so etwa in den Opuszahlen oder Titeln, beispielsweise mit op. 27 “…quasi una fantasia …” an Beethoven oder mit op. 28 “Officium breve” an Weberns Streichquartett mit gleicher Opuszahl. Zudem gibt es kompositorische Anspielungen in den zahllosen Widmungsstücken des Work in progress Játékok.

Hermann Keller

studierte 1963 bis 1968 an der Musikhochschule Weimar klassisches Piano und Komposition, beschäftigte sich aber daneben auch mit Improvisations- und Jazzmusik. Seit 1971 kam es zur Zusammenarbeit mit Jazzmusikern; so arbeitete er seit 1974 im Duo mit Manfred Schulze, gründete später dann das Berliner Improvisationstrio bzw. –quartett. Dieses Ensemble gehörte zu den bekanntesten Gruppen der freien Improvisation in der DDR und trat Ende der 1970er erstmals in West-Berlin und auf dem Moers Festival auf. In den 1980er trat Keller bei den Leipziger Jazztagen auf, spielte aber auch 1985 mit Michael Sell und Carin Levine bei den ersten Jazz-Tagen in Weimar. In seinem aktuellen Quartett (CD von 2005) spielen neben ihm die Geigerin Antje Messerschmidt, der Klarinettist Jürgen Kupke und der Trompeter Uli Weber kompositorisch strukturierte Improvisationsmusik.

Keller war daneben von 1974 bis 1985 an der Hochschule für Musik 'Hanns Eisler' Berlin als Dozent für Tonsatz und Improvisation tätig. Er hat sowohl Alben mit frei improvisierte Musik veröffentlicht als auch mit komponierter Musik, die Raum für Improvisation lässt. Daneben schreibt Keller auch auskomponierte Werke, die regelmäßig aufgeführt werden. Er ist auch als Musikpädagoge tätig.
Als nach dem Jazz Rough Guide besonders profilierter Vertreter der freien Musikszene der ehemaligen DDR lotet er insbesondere das Verhältnis zwischen zeitgenössischer auskomponierter und improvisierter Musik aus.

Hans-Karsten Raecke

1962-68 Kompositionsstudium an der Hochschule für Musik, “Hanns Eisler”, Berlin / DDR, bei Rudolf Wagner-Regeny, Studium im Fach Klavier (Walter Olbertz), Klarinette (Hans Himmler), Chor- und Ensembleleitung (Fritz Höft).

1968-74 Dozent an der Humboldt-Universität, Berlin, Bereich Musikwissenschaft.

1972-75 Meisterschüler für Komposition an der “Akademie der Künste”, Berlin, bei Paul Dessau.

1974 Gründung der Berliner KLANGWERKSTATT.

Beginn eines eigenen musikalischen Weges mit dem Bau neuer Blas-und Saiteninstrumente, Klangerweiterung des Flügels und Einbeziehung elektronischer Musik. Auftritte in Osteuropa, speziell beim Warschauer Herbst (1975/77/80) und Arbeitsstipendium am elektronischen Studio Warschau.

Konflikte mit der DDR-Kulturpolitik.

1980 einmalige Ausreise in die BRD. Auftritt bei den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik und “Kranichsteiner Musikpreis”.

1981 Stipendium am elektronischen Studio des SDR in Freiburg und am IRCAM, Paris.

1984 Konzertreise in die USA.

1986-93 Dozent für musikalische Fächer am Fachbereich Musiktherapie, Heidelberg.

1990 Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg.

ab 1990 Solo-Konzertreisen in ganz Europa, u. a. in London, Amsterdam, Brüssel, Stockholm, Wien Graz, Basel, Berlin, Warschau, Krakow, Brno, Tallinn, unter Einsatz der live-elektronisch und bautechnisch weiterentwickelten Instrumente.

1991 Gründung der Mannheimer KLANGWERKSTATT.

ab 1991 Organisator und künstlerischer Leiter der KLANGWERKSTATT - MUSIKTAGE in Mannheim.
Neue Kompositionsprojekte mit wechselnden Schwerpunkten: Neue Partituren zur musikalischen Graphik (Solo- und Ensemblemusik), Werke für den “klangerweiterten Flügel”, Bau neuer Instrumente und Klangobjekte für den live-elektronischen Einsatz, Improvisation, Arbeit mit dem Masterkeyboard und Bearbeitungsformen klassischer Werke.

2000 Konzertbeitrag zur EXPO 2000 in Hannover im Deutschen Pavillon.

2003 Berufung als Mitglied der Freien Akademie der Künste Mannheim

Ulrich Schultheiss

komponiert neue Musik, arrangiert Jazz- und Popularmusik und schreibt Filmmusiken sowie funktionale Musik.
1956 in Nürnberg geboren erhielt er bereits seit seinem vierten Lebensjahr Instrumentalunterricht (Klavier, später auch Violoncello und Violine). Mit 11 Jahren kam er als Jungstudierender zu Prof. Erich Appel an das Konservatorium in Nürnberg. Bis zum Abitur war er mehrfach Preisträger beim Wettbewerb "Jugend musiziert" in verschiedenen Sparten (auch Bundespreisträger).

1994 erhielt er vom Land Rheinland-Pfalz ein Stipendium verbunden mit einem sechsmonatigen Aufenthalt im. Im Jahr 2000 war Ulrich Schultheiss Preisträger* beim ”International Composing and Arranging Award of SibeliusMusic”.

Seine Kompositionen wurden in den meisten europäischen Ländern, in Staaten der ehemaligen Sowjetunion, in den USA und Kanada, Kuba, Argentinien, Brasilien sowie in Fernost. Hinzu kommen Rundfunkaufnahmen sowie CD-Produktionen im In- und Ausland.

Ulrich Schultheiss arbeitete als Dozent an verschiedenen deutschen Ausbildungsstätten für Musik, u.a. am Richard-Strauss-Konservatorium in München, an der Hochschule der Künste in Berlin und an der Hochschule für Musik in Würzburg, wo er von 2000 bis 2002 zusammen mit Prof. Dr. Christoph Wünsch das ”Studio für Neue Musik” in Würzburg leitete. Seit 2002 ist Ulrich Schultheiss Professor für Musiktheorie an der. Nach einem Studienaufenthalt an der Medizinischen Fakultät der Università di Ferrara/Italien studierte er von 1978 - 1987 an der Hochschule für Musik in Würzburg. Zu seinen Lehrern zählten u.a. Prof. Julian von Károlyi (Klavier) und Prof. Bertold Hummel (Meisterklasse Komposition). Daneben arbeitete er auch mit dem Komponisten Róbert Wittinger zusammen. Seit 1982 ist er Preisträger zahlreicher nationaler und internationaler Kompositionswettbewerbe. 1984 erhielt er ein Staatsstipendium mit Aufenthalt in der in Paris, 1985 den Kulturförderpreis der Stadt Würzburg sowie 1986 den Bayerischen Staatspreis für Junge Künstler. Ulrich Schultheiss erhielt für seine Filmmusik witch hunt beim mit $6.000 dotierten internationalen Sibelius Music™ Composing & Arranging Competition aus über 1.500 Einsendungen den 2.Preis.

Jürgen Schmitt: Mignon” - neue Romanzen und Gesänge

nach Robert Schumann und J.W.v. Goethe (Ausschnitte)

1) Romanze 1

2) Nur wer die Sehnsucht kennt (Schmitt/Schumann op.98a)

3) Heiß mich nicht reden (Schumann, op.98a/Schmitt)

4) Romanze 3

5) Kennst du das Land

In einigen Titeln tauchen Zitate von Schumann auf, teils als offene Motive, teils in Form von mitprägenden Metamorphosen.
Im Einzelnen sind dies Zitate aus:

1: den Drei Romanzen, op.28,2

4: den Drei Romanzen, op.28,3 (Intermezzi 1 und 2)

In diesem musikalischen Zyklus aus Liedern und Klaviersolowerken wird der Hörer mit verschiedenen Schwellenerlebnissen konfrontiert. Wir hören Originalmusik von Robert Schumann (19. Jhdt.), Originalmusik von Jürgen Schmitt (21. Jhdt.) und werden auf neue Wege geführt, auf denen wir von der Romantik ausgehen und weiter über die Schwelle einer “Neuen Romantik” in zeitgenössisches Gebiet gelangen. Die vielbesungene, nahezu mystische, erotische und reine Gestalt der “Mignon”, einst von Goethe in die Welt gesetzt, war auch für Schumanns Lieder die Projektionsfigur, auf die er seine in eine andere Welt strebenden Empfindungen richtete.

Jürgen Schmitt

Hochschulstudium Komposition und Klavier in Würzburg und Köln, u.a. bei Bertold Hummel und Hans Werner Henze, Diplomabschlüsse Komposition und Klavier, Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes, Preis der Deutschen Phonoakademie, Stipendium Cité des Arts, Paris, Preisträger für Synthesizermusik der Neuen Akademie Braunschweig. Aktiv als Solist im klassischen Bereich sowie im Bereich der Neuen Musik und angrenzender Stilgebiete. Diverse Aufnahmen, Auftritte und Aufführungen u.a. bei den Darmstädter Ferienkursen, bei der Münchner Biennale, bei den Frankfurt Festen, an der Akademie der Schönen Künste, München, desgl. Berlin, dem Festival des musiques et créations électroniques, Bourges. Lehrtätigkeit u.a. an der Hochschule für Musik, Würzburg. Mitbegründer des dortigen Studios für Experimentelle Elektronische Musik. In seiner Tätigkeit als Komponist, Forscher und Dozent wurde er zuletzt auch international eingeladen, seine Arbeiten vorzustellen, so von der Universität Athen, und von der Universität Minneapolis (USA).Der klassisch ausgebildete Künstler arbeitet seit Jahren daran, die Farbwerte elektronischer Klangsynthese in der Gegenüberstellung mit Sängern und Instrumentalisten zur Reise in musikalisches Neuland nutzbar zu machen. Daneben wirkt er stets auch auf rein akustischem Gebiet, solistisch, kammermusikalisch, oder als Komponist von Werken diverser Besetzungen. Gegenwärtig arbeitet er an der Oper MERLIN für Orchestergruppen, Elektronik, Chor, Ballett, Instrumentalsolisten, Vokalsolisten.

Susanne Pfitschler-Schmitt

Susanne Pfitschler-Schmitt studierte Gesang an der Musikhochschule in Würzburg, u. a. bei Barbara Schlick und Ingeborg Russ. Daran schloss sich ein Privatstudium bei Eugen Rabine an. Sie besuchte Meisterkurse bei Charles Brett und Hanno Blaschke.Ihr Repertoire umfasst neben der Standardliteratur auch Werke aus der Alten Musik und dem zeitgenössischen Bereich.Sie gastierte u.a. beim Ensemble Modern, dem Ensemble Universal, Berlin, dem Ensemble Kontraste, beim Wernecker Kammerorchester, beim Deutschen Symphonie-Orchester Berlin. Einladungen erhielt sie z. B. zu den Donaueschinger Musiktagen, den Tagen der Neuen Musik Kassel, Würzburg und Darmstadt, zur Internationalen Bachakademie Stuttgart,ans Goetheinstitut Paris, die Akademie der Schönen Künste München ,dsgl. Berlin, das Festival des Musiques et Créations Électroniques, Bourges. Neben instensiver Konzerttätigkeit auch im Bereich der Neuen Musik aktiv: zahlreiche Uraufführungen, Performances, Improvisationen, u. a. bei der Rheinberger Pfingstakademie, beim Festival in Bourges, beim SFB Berlin usw.Schon frühe Beschäftigung mit Barockmusik. u.a. Aufführung der ersten deutschen Oper Seelewig noch zu Studienzeiten. In den letzten fünf Jahren festes Ensemblemitglied der Kleinen Oper Bad Homburg, mit der sie ca. 200 Aufführungen spielte, u.a. Freischütz und Hänsel&Gretel. Im Jahr 2011 sind hier Auftritte als Königin der Nacht mit dem HR-Sinfonierorchester und der Neuen Frankfurter Philharmonie angesetzt. Gastspiele bei der Bayerischen Kammeroper mit der Partie der Marie in Glucks Bekehrtem Trunkenbold, der Uraufführung von Toni Völkers Klein Zach als Candida, in Purcells Dido und Äeneas als Dido und als Grilletta beim Bronnbacher Sommer.Im Jahr 2009 als Morgaine in Jürgen Schmitts Merlin in einer Simultanaufführung in Gleiweitz (Polen) und Würzburg.

(Änderungen vorbehalten)